I.
Einleitung
Die
Republik Bulgarien liegt auf der Balkanhalbinsel im Süd-Osten
Europas und befindet sich auf dem Weg zum Beitritt in
der EU. Der Anteil der Europäischen Gemeinschaft
am Außenhandel Bulgariens ist im Jahre 2002 angestiegen.
Der Handelsumsatz mit der EG lag 2001 19,4 % über
dem des Jahres 2000 und stellte 51,6 % des gesamten Handels
Bulgariens dar. Die wichtigsten industriellen Ausfuhrgüter
waren Metalle (Kupfer und Eisen) und Textilien (Kleidung).
Bei den Agrarerzeugnissen führte Bulgarien vor allem
Wein, Fleisch, Sonnenblumenkerne und Tabak in die EG aus.
Im Jahre 2001 waren die Einfuhren aus der EG gegenüber
2000 um 24,9 % gestiegen und betrugen 49,4 % (3,8 Mrd.
€) der Gesamteinfuhren Bulgariens. Die wichtigsten
industriellen Einfuhrwaren waren Kraftfahrzeuge und Arzneimittel.
Im Agrarsektor waren Lebensmittel, Futtermittel, Alkohol
und Spirituosen wichtigste Einfuhrwaren.
*
* * * *
II.
Bulgarien auf dem Weg zum Beitritt
1.
Politischer Aspekt
Die
politische Lage ist in Lande stabil. Die Regierung hat
an ihrer Politik zur Integration in die Europäische
Union festgehalten. Die breite politische Unterstützung
für den Beitritt zur EU und zur NATO hat sich verfestigt
und es besteht eine deutliche Übereinstimmung in
dieser Frage zwischen den allen politischen Kräfte
im Parlament (dem Präsidenten, der Regierung und
der anderen politischen Kräften). Im November 2001
wurden Präsidentschaftswahlen abgehalten. Georgi
Parvanov, der ehemalige Vorsitzende der Bulgarischen Sozialistischen
Partei wurde zum neuen Staatspräsidenten der Republik
Bulgarien gewählt. Die Nationale Bewegung Simeon
II. (NDSV), in Regierungskoalition mit der Bewegung für
Rechte und Freiheit (DPS), wurde im April 2002 als politische
Partei gegründet; der Ministerpräsident wurde
zum Parteivorsitzenden der NDSV gewählt.
Bulgarien
verfügt über stabile Institutionen, die die
demokratische Ordnung garantieren.
Exekutive
- Es
wurde im Juni 2002 eine Strategie zur Modernisierung der
Staatsverwaltung verabschiedet. Sie beruht auf fünf
Kerngrundsätzen:
-
Offenheit
für die Bürger
-
Beteiligung
der Wirtschafts- und Sozialpartner sowie der Zivilgesellschaft
an der Politikgestaltung
-
Rechenschaftspflicht
der Verwaltung
-
Wirksamkeit
der nationalen Politikkonzepte und Kohärenz des
politischen Prozesses.
Judikative
- Der
Zweck des Justizreforms ist die "Entwicklung europäischer
Standards der Justiz in Bulgarien":
Es
sollen die nachstehenden Verbesserungen auf folgenden
Feldern erzielt werden:
-
Humanressourcen
-
Management
-
Verwaltung
-
materielle
Infrastruktur des Justizwesens
-
Korruptionsbekämpfung
- Der Ministerrat verabschiedete im Februar 2002 einen
Plan zur Korruptionsbekämpfung. Er gilt für
den Zeitraum 2002-2003 und er legt fest, die Zuständigkeit
der einzelnen Maßnahmen und Fristen.
*
* * * *
2.
Wirtschaftlicher Aspekt
Bulgarien
wird bald über eine funktionierende Marktwirtschaft
verfügen. Die bulgarische Wirtschaft dürfte
in der Lage sein, dem Wettbewerbsdruck und den Marktkräften
in der Europäischen Union mittelfristig standzuhalten.
Die Anstrengungen sollen zur Fortsetzung der Wirtschaftsreform
intensiviert werden um die noch bestehende Schwierigkeiten
zu beseitigen. Bulgarien hat beträchtliche Fortschritte
bei der wirtschaftlichen Umstrukturierung und Privatisierung
in vorigem Jahr erzielt. Es wurden Unternehmen im Gegenwert
der Hälfte des gesamten Staatsvermögens veräußert.
Eine neue Privatisierungsverfahren wurde diesbezüglich
im April 2002 eingeführt, um klarere Regeln und größere
Transparenz für die verbleibenden rund 2.000 Unternehmen
zu schaffen, an denen der Staat eine Mehrheitsbeteiligung
hält. Mit deutlichen Preiserhöhungen und der
Privatisierung von Versorgungsbetrieben wurde im Jahr
2002 eine Strategie zur Liberalisierung des Stromsektors
eingeleitet. In Bulgarien haben sich die Bedingungen für
Unternehmen verbessert. Der Bankensektor, der weitgehend
in ausländischer Hand ist, ist durch Kreditwachstum
und steigende Spareinlagen gekennzeichnet. Der Kapitalmarkt
ist noch unterentwickelt.
Das
durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (in Kaufkraftstandards)
ist aber nur 15% des EU-Durchschnitts, was eine wesentliche
Schwierigkeit bereitet und einen Anlass zur wirtschaftlichen
Asyl in der EU verursacht. Die Erwerbstätigenquote
der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter sank
von 54,5% im Jahr 1997 auf 50,7% im Jahr 2001. Die Arbeitslosenquote
stieg von 13,7% auf 19,9% der Erwerbsbevölkerung.
Über 60% der Erwerbslosen sind Langzeitarbeitslose.
Bei Männern ist die Arbeitslosenquote geringfügig
stärker gestiegen als bei Frauen, und fast 40% der
unter 25 jährigen sind arbeitslos. Bulgarien hat
einen hohen Grad gesamtwirtschaftlicher Stabilität
erreicht, und die Marktmechanismen funktionieren gut.
Die Strukturreformen gehen weiter, vor allem in Bezug
auf die Markteintrittsverfahren, die Umstrukturierung
des Finanzsektors und die Privatisierung, und die mikroökonomischen
Grundlagen für ein dauerhaftes Wachstum. Es sind
aber weitere Anstrengungen nötig, um die Flexibilität
der Märkte zu erhöhen. Vor allem die Effizienz
des Verwaltungssystems soll gesteigert werden, damit die
Wirtschaftsbeteiligten in einem Klima von Stabilität
und Berechenbarkeit ihre Entscheidungen treffen können.
Die den Unternehmenssektor betreffenden Verwaltungsverfahren,
einschließlich Insolvenzverfahren, sollen schnell
möglichts eingeführt werden. Das Niveau der
Intermediation ist nach wie vor gering. Spezifische Schwächen
des Grundstücksmarkts beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit.
*
* * * *
3.
Fähigkeit zur Übernahme der erwachsenden Verpflichtungen
Bulgarien
hat bei der Angleichung zu der EG, der Rechtsvorschriften
ein angemessenes Tempo beibehalten. Die Reform der öffentlichen
Verwaltung ist vorangetrieben, was ein positives Zeichen
darstellt. Die Reformbemühungen sollen weiter gehen,
damit die öffentliche Verwaltung nach dem Beitritt
in die EU ihren Aufgaben gerecht werden kann. Auf den
Binnenmarkt hat Bulgarien in den meisten Bereichen wechselhafte
Fortschritte erzielt. Im Bereich der Finanzdienstleistungen
hat Bulgarien eine solide Praxis der Bankenaufsicht entwickelt.
Das Gesellschaftsrecht wurde weiter an der Anforderungen
der EU angepasst. Der Rechtsrahmen wurden für den
Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und die gewerblichen
Schutzrechte verbessert. Die Landwirtschaft von Bulgarien
genoss die Rechtsangleichung mit de EU Anforderungen.
Die Umstrukturierung des Energiesektors ist 2001-2002
langsam vorangekommen. In dem Bereich Kernenergie hat
sich Bulgarien an die Stilllegungszusagen einhalten und
ein hohes Maß an nuklearer Sicherheit gewährleistet.
Die Kontrolle an den Außengrenzen wurde verbessert.
Es sind aber weitere Anwendungen nötig, vor allem
bei der Zusammenarbeit der Behörden und Schaffung
eines eintheitlichen Datennetzes.Im Bereich der auswärtigen
Beziehungen leistet Bulgarien einen Beitrag zur regionalen
Stabilität und treibt die Liberalisierung des Handels
mit der EG und seinen Präferenzpartnern. Bei der
Bereiche Zoll und Steuern, soll sich Bulgarien noch die
für den Datenaustausch mit der EG die notwendigen
EDV-Systeme einführen.
Freier
Warenverkehr - Mit
den Änderungen am Normungsgesetz konnte Bulgarien
die Interessenskonflikte zwischen den normungs- und ordnungspolitischen
Aufgaben und der Zertifizierung beseitigt werden. Die
Zertifizierungsaufgaben sind nicht ausreichend und von
der Akkreditierung getrennt.
Freizügigkeit
- Durch die Annahme
des Gesetzes über die Architektenkammern und die
Kammern für Entwurfs-Ingenieure hat Bulgarien bei
der Angleichung an die Bestimmungen zur gegenseitigen
Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise und
der Dienstleistungsfreiheit für Architekten gute
Arbeit geleistet. Bulgarien hat auf dem Gebiet der Freizügigkeit
der Arbeitnehmer viel getan. Das neue Gesetz zur Förderung
der Beschäftigung, das im Januar 2002 in Kraft trat,
machte es möglich, die Arbeitserlaubnisregelung für
EU-Bürger zum Zeitpunkt des Beitritts abzuschaffen.
Durch die Annahme einer Verordnung im April 2002 haben
die Familienmitglieder von ausländischen Arbeitnehmern
Zugang zum bulgarischen Arbeitsmarkt, ohne 24 Monate warten
zu müssen. Bulgarien hat neue Bestimmungen zu Aufenthaltsgenehmigungen
für Selbständige eingeführt. Die Beschränkungen
der Freizügigkeit von Arbeitnehmern aus Bulgarien,
die in der EU arbeiten wollen, werden mindestens für
einen Zeitraum von zwei Jahren ab dem Beitritt gelten,
können jedoch auf maximal sieben Jahre verlängert
werden.
Freier
Dienstleistungsverkehr -
Im Bereich Niederlassungsrecht und Dienstleistungsfreiheit hat Bulgarien,
im Hinblick auf ein allgemeines nichtdiskriminierendes
System der Inländerbehandlung für ausländische
Staatsangehörige und Unternehmen, die in Bulgarien
eine Wirtschaftstätigkeit ausüben, gebilligt.
Im Bereich Finanzdienstleistungen hat das Parlament im
Bankensektor im Dezember 2001 Änderungen zum Gesetz
über die Sicherung von Bankeinlagen verabschiedet.
Bankeinlagen in Höhe von bis zu 10.000 BGN (ungefähr
5.000 €) sind im Falle des Konkurses einer Bank
staatlich garantiert. Im März 2002 wurde ein Bankenkonkursgesetz
angenommen. Das Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten
wurde im Dezember 2001 vom Parlament angenommen. Bezüglich
der Informationsgesellschaft wurden im Januar 2002 drei
Verordnungen verabschiedet, wie in dem Gesetz über
elektronische Dokumente und Signaturen verlangt, das im
April 2001 zur Umsetzung der EG-Richtlinie über gemeinschaftliche
Rahmenbedingungen für elektronische Signaturen angenommen
worden war. Freier Kapitalverkehr - Es wurden zwei Gesetze
verabschiedet, das Gesetz über ausländische
Investitionen und das Gesetz über öffentliche
Wertpapieremissionen. Diese Änderungen waren vielmehr
eine Folge des neuen Gesetzes über Privatisierung
und Privatisierungskontrolle. Im November 2001 änderte
die bulgarische Zentralbank ihre Verordnung zur Kartenzahlung
und setzte damit die EU Vorschriften über elektronische
Zahlungsinstrumente, vor allem über die Beziehungen
zwischen dem Kartenemittenten und dem Kartenhalter, teilweise
um. Im Januar 2002 trat ein geändertes Gesetz über
Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche
in Kraft. Diese Liberalisierung betreffe ausschließlich
Kapitalzuflüsse aus dem Ausland.
Gesellschaftsrecht
- Im Januar 2002
trat das neue Rechnungslegungsgesetz in Kraft. Damit werden
die Bestimmungen der EU in bulgarisches Recht umgesetzt.
Das Gesetz über die unabhängige Rechnungsprüfung
trat ebenfalls im Januar 2002 in Kraft. Damit wurden die
Anforderungen der EG eingeführt. Über die Rechte
am geistigen und gewerblichen Eigentum verabschiedete
das Parlament im Januar 2002 ein Gesetz zur Ratifizierung
des Europäischen Patentübereinkommens sowie
der Akte zur Revision dieses Übereinkommens.
Landwirtschaft
- Der Anteil des
Agrarsektors an der Bruttowertschöpfung in Bulgarien
lag im Jahr 2000 bei 13,8 %, im Vergleich zu 16,2 % im
Jahr 1999. Der Beschäftigungsanteil in der Landwirtschaft
betrug 26,7 % der Gesamtbeschäftigung. Im Jahr 2001
nahm der gesamte Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen
zwischen Bulgarien und der EU deutlich zu. Die Agrareinfuhren
der EU mit Ursprung in Bulgarien stiegen um 15 % auf 247
Mio. EUR. Die Ausfuhren der EG nach Bulgarien stiegen
um 8 % auf 291 Mio. EUR. Die Handelsbilanz zugunsten von
Bulgarien betrug 44 Mio. EUR verglichen mit 55 Mio. EUR
im Jahr 2000. Den größten Anteil der gemeinschaftlichen
Einfuhren aus Bulgarien machten Fleisch, Wein und Ölsaaten
aus. Von der EU wurden hauptsächlich Fleisch, Obst
und Nüsse, Baumwolle und ätherische Öle
ausgeführt.
Verkehrspolitik
- Im Bereich der
transeuropäischen Verkehrsnetze werden einige Infrastrukturprojekte
an den Korridoren IV, VII und X durchgeführt, die
beispielsweise die Modernisierung der Straße E-79,
die zweite Donaubrücke, die Elektrifizierung wichtiger
Eisenbahnstrecken und den Bau eines zweiten Terminals
am Flughafen Sofia betreffen. Im Oktober 2001 aktualisierte
die Regierung das Programm für die Entwicklung der
Verkehrsinfrastruktur (2001-2005). Die Gesamtkosten der
Projekte dieses Programms belaufen sich auf 4,2 Mrd. €,
von denen 31 % aus Mitteln des Staatshaushalts gedeckt
werden. Steuern- Im Januar 2002 traten Änderungen
des MwSt-Gesetzes in Kraft. Mit diesen Änderungen
werden der normale MwSt-Satz für Lieferungen von
Arzneimitteln und eine Sonderregelung für Reisebüros
eingeführt. Im Dezember 2001 wurde das Verbrauchsteuergesetz
geändert. Im Einzelnen harmonisierte Bulgarien die
Verbrauchsteuern auf Bier und führte einen einheitlichen
Steuersatz je Hektoliter Grad Plato ein. Ferner wurden
Verbrauchsteuern je Tonne auf LPG und Methan, Schweröle,
Gasöl und Kerosin für industrielle oder für
Heizzwecke eingeführt. Außerdem wurden die
Verbrauchsteuern auf Filterzigaretten erhöht. Es
wurde den Körperschaftsteuersatz im Dezember 2001
eingeführt. Im Bereich der Steuererhebung wurde für
Unternehmen, die die neue MwSt-Erklärung verwenden,
die Frist für Vorsteuererstattung von vier Monaten
auf 45 Tage verkürzt.
Statistik
- Die Ergebnisse
der Volkszählung vom März 2001 wurden zugänglich
gemacht und werden für Bevölkerungsschätzungen
und Migrationsstatistiken verwendet. Im Außenhandel
arbeiten die Zollagentur und das Statistische Amt gemeinsam
an einer qualitativen Verbesserung der Primärdaten
und entwickeln zu diesem Zweck zusätzliche Vorgaben
für Datenkontrollen und -prüfungen. Das Statistische
Amt machte die Vorbereitungen für INTRASTAT. Im Bereich
der Agrarstatistik machte Bulgarien bei der Erprobung
von Methoden und Fragebogen für die Erhebung über
die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe, die Zählungen
des Viehbestands, der Schlachthöfe und der Milch
verarbeitenden Betriebe, gute Erfahrung.
Soziales
und Beschäftigung - Auf
dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit wurde 2001
eine nationale Strategie für die Gesundheitsfürsorge
(2001-2006) verabschiedet. Im Januar 2002 folgte ein nationales
Programm zur Bekämpfung des Tabakkonsums. Die Reform
des Gesundheitswesens wurde fortgeführt. Im März
2002 wurden Durchführungsvorschriften zur Reformierung
der ambulanten und stationären Versorgung erlassen
und im Mai 2002 wurden die Durchführungs-vorschriften
für strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen
erlassen. Es wurden Verträge zwischen dem nationalen
Krankenversicherungsfonds und Anbietern medizinischer
Leistungen geschlossen. Im Dezember 2001 wurden Rechtsvorschriften
für die Bildung dreiseitiger regionaler Kooperationsräte
verabschiedet. Entsprechend dem Beschäftigungsförderungsgesetz,
das im Januar 2002 in Kraft trat, soll der Soziale Dialog
durch die Einrichtung eines nationalen Dreiergremiums
für die Beschäftigungsförderung gestärkt
werden. Es wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um
die Verwirklichung des Drei-Säulen-Rentensystems
voranzubringen.
Energie
- Im November 2001
traten einige Änderungen des Gesetzes über Energie
und Energieeffizienz im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit,
die die Grundlage der Rechtsangleichung darstellen. Im
November 2001 hat die bulgarische Regierung ein Privatisierungsprogramm
für sieben Stromverteilungsunternehmen, zwanzig Versorgungsbetriebe
für Heizwärme und sieben Wärmekraftwerke
genehmigt. Bulgarien betreibt ein Kernkraftwerk mit vier
Reaktoren, das etwa 45 % des Stroms in Bulgarien erzeugt.
Industriepolitik
- Die industriepolitischen
Strategie legte an die Prioritäten der Regierung.
Im März 2002 wurde einen Strategiebrief mit dem Titel
"Industrie 2002" ausgearbeitet. Er konzentriert sich auf
makroökonomische Trends und unterstreicht die Verpflichtung
der Regierung auf eine Umstrukturierung und weitere Liberalisierung
der Wirtschaft durch Privatisierung und legt den Schwerpunkt
auf den Faktoren, die zur allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit
und Stabilität der Wirtschaft beitragen. Die Schwerpunkte
sind:
-
die
Informationstechnologien,
-
den
Tourismus,
-
die
Energie,
-
den
Textil und die Bekleidung,
-
sonstige
verarbeitende Industrie und Lebensmittelindustrie.
Im
Jahr 2001 betrug das reale Wachstum der Anlageinvestitionen
19.9%, der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am BIP
und erreichte 17.8%. Im Jahr 2002 erlebte Bulgarien weniger
ausländische Investitionen als erwartet. Sie beliefen
sich auf etwa 230 Millionen € für die erste
Jahreshälfte. Neben der globalen makroökonomischen
Situation ist dies zum Teil auf niedrigere Einnahmen aus
Privatisierungsgeschäften zurückzuführen,
die nach der Einführung neuer Verfahren über
die Privatisierung und die Kontrolle nach der Privatisierung
im April 2002 in Kraft treten. Der Privatisierungsprozess
ist für die großen Industrieunternehmen in
den wichtigsten Sektoren fast abgeschlossen. Hinsichtlich
der Kontrolle privatisierter Betriebe (etwa Nichteinhaltung
vertraglicher Verpflichtungen seitens der neuen Eigentümer)
und der Lebensfähigkeit einiger von der Geschäftsleitung
übernommenen Unternehmen bleiben noch Probleme. Die
Umstrukturierung der Stahlindustrie ist weiterhin unvollständig.
Kleine
und mittlere Unternehmen (KMU) - Die
Regierung legte in März 2002 eine neue nationale
Strategie zur KMU-Förderung für den Zeitraum
2002-2006 fest. Beabsichtigt ist eine Verbesserung des
Unternehmensklimas. Die Bedingungen für Unternehmen
haben sich in Bulgarien verbessert. Ein wichtiges Hindernis
für die Entwicklung von KMU ist der Zugang zu Finanzierungsmitteln.
Um Investoren anzuziehen, ist ein dichtes Netz von lebensfähigen
KMU notwendig. Die wichtigsten Probleme hinsichtlich der
Rahmenbedingungen für Unternehmen wurden durch einen
effizienten Dialog zwischen den politischen Entscheidungsträgern
und der Wirtschaft ermittelt. Es bedarf jedoch noch weiterer
Anstrengungen, um die Information der Unternehmen zu verbessern,
vor allem die Information über die Änderungen,
die die Regierung im Bereich des Unternehmens- und Steuerrechts
vornimmt. Die für die Formulierung und Koordinierung
der Unternehmens- und KMU-Politik zuständige zentrale
Stelle ist das Wirtschaftsministerium. Das Fehlen gut
organisierter Wirtschaftsverbände, die die Interessen
der kleineren Unternehmen vertreten, stellt nach wie vor
ein Problem dar.
Wissenschaft
und Forschung - Im
Jahr 2001 wurde ein nationales Rahmenprogramm zur Förderung
von Wissenschaft und Forschung verabschiedet. Es wurde
eine Strategie für KMU (2002-2006) beschlossen, mit
der die Beteiligung von KMU an wissenschaftsbezogenen
Aktivitäten gefördert werden.
Allgemeine
und berufliche Bildung - Bulgarien beteiligt sich an der zweiten Generation der Gemeinschaftsprogramme
Leonardo da Vinci und Sokrates. Im Oktober 2001 nahm Bulgarien
erstmals an dem neuen Programm Jugend teil.
Telekommunikation
und Informationstechnologien - Die Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts hat die zuständige
Regulierungsbehörde im Hinblick auf die ab Januar
2003 geplante Liberalisierungsmaßnahmen zum Ausbau
ihrer Kapazitäten ergriffen. Im Mai 2002 genehmigte
der Ministerrat eine überarbeitete Strategie für
den Sektor. Darin wird die Abschaffung des derzeitigen
Monopols im Bereich der Sprachtelefondienste und der Mietleitungen
zum Januar 2003 bestätigt und das Konzept zur Entwicklung
eines völlig liberalisierten Telekommunikationsmarkts
dargelegt.
Im
Dezember 2001 wurden Änderungen des Telekommunikationsgesetzes
angenommen, die auf eine Stärkung des Rechtsrahmens
abzielen. Der nationale (Funk-)Frequenzplan wurde von
der Regierung im Mai 2002 genehmigt. Dies ermöglicht
die umfassende Freigabe von Frequenzbändern für
GSM, DECT und SPCS. Im Dezember 2001 wurden Änderungen
des Postgesetzes verabschiedet, die im Februar 2002 in
Kraft traten. Die Regulierungsfunktion in diesem Bereich
ging vom Ministerium für Verkehr und Kommunikation
über auf die Kommission zur Regulierung des Kommunikationssektors.
Umweltschutz
- Abfallwirtschaft: Eine
Altautoverordnung wurde im letzten Jahr verabschiedet.
Wasserqualität:
Es wurden Vorschriften zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
der EU, für kommunales Abwasser, Trinkwasser, Badegewässer
und die Qualität von Oberflächenwasser für
die Trinkwassergewinnung verabschiedet. Naturschutz: Im
August 2002 wurde das Gesetz über die biologische
Vielfalt zur Übernahme des Besitzstands für
den Vogel- und den Habitatschutz verabschiedet. Nukleare
Sicherheit und Strahlenschutz - Bulgarien hat das Gesetz
über die sichere Nutzung der Kernenergie im Juni
2002 verabschiedet.
Justiz
und Inneres - Das
neue Gesetz über den Schutz personenbezogener Daten
trat im Januar 2002 in Kraft. Mit den Änderungen
des Ausländergesetzes im April 2002 und der Annahme
einer neuen Verordnung zur Regelung der Bedingungen und
Anforderungen für die Visumerteilung passte Bulgarien
seine Visumpolitik weiter an die EU-Politik an. Die Kontrollen
an den Außengrenzen verzeichnen im vergangenen Jahr
Erfolge. Im Mai 2002 nahm die Regierung eine Verordnung
über Grenzkontrollstellen an und schuf damit die
notwendigen Voraussetzungen für die Zusammenarbeit
der beteiligten Verwaltungen bei der integrierten Grenzkontrolle
als ein Element der künftigen Strategie für
die integrierte Grenzverwaltung. Im Juni 2002 trat eine
Verordnung über Arbeitserlaubnisse für Ausländer
in Kraft. Im Mai 2002 wurde ein neues Asylgesetz verabschiedet,
das die Rechtsangleichung in diesem Bereich erheblich
weiterbringt. Die Anzahl der Asylsuchenden in Bulgarien
ist gering, nimmt aber weiter zu. In den ersten fünf
Monaten von 2002 beantragten 1938 Personen in Bulgarien
Asyl. Im Oktober 2001 beschloss Bulgarien eine Nationale
Strategie zur Korruptionsbekämpfung. Im Mittelpunkt
dieser Strategie steht die Bekämpfung der Korruption
in der Zollverwaltung, in den dem Innenministerium unterstellten
Behörden und in der Justiz. Mit den im September
2002 angenommenen Änderungen des Strafgesetzbuchs
werden die Bestechung im Privatsektor, die passive Bestechung
ausländischer Amtsträger, die Bestechung von
Schiedsleuten, sowie in besonderen Fällen die Bestechung
von Strafverteidigern unter Strafe gestellt. Außerdem
wurde die Definition des Begriffs "ausländischer
Amtsträger" weiter gefasst und der Anwendungsbereich
der Immunität in manchen Fällen der aktiven
Bestechung reduziert. Eine weitere Änderung war die
Einführung von Geldstrafen und strengeren Strafen
für die passive und aktive Bestechung von Richtern,
Geschworenen, Staatsanwälten und Ermittlungsbeamten.
Die Annahme einer nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung
wurde im September 2002 durch den Nationalen Drogenrat
erstellt. Das Ziel dieser Strategie besteht darin, die
in der EU-Strategie zur Drogenbekämpfung 2000–2004
vorgesehenen Maßnahmen durchzuführen. Im Januar
2002 trat ein geändertes Gesetz über Maßnahmen
zur Bekämpfung der Geldwäsche in Kraft. Die
Änderungen sind die Folge der Umwandlung des finanzkriminalpolizeilichen
Büros in ein eigenständiges Amt im Zuge der
noch nicht abgeschlossenen Reform der öffentlichen
Verwaltung. Im Juli 2002 nahm die Nationalversammlung
Änderungen des Straßenverkehrsgesetzes an,
und verlieh damit spezialisierten mobilen Zolleinheiten
die Befugnis, Fahrzeuge in Bulgarien für Zwecke der
Zollkontrolle und Inspektionszwecke anzuhalten. Zollunion
- Der von Bulgarien für 2002 angenommene Zolltarif
enthält bereits die Änderungen am Harmonisierten
System. Er umfasst ferner die Änderungen an den Listen
derjenigen Länder (entsprechend den von der EG angenommenen),
für die Präferenz- bzw. Meistbegünstigungszollsätze
gelten, sowie die gemäß den WTO-Verpflichtungen
Bulgariens erforderlichen Änderungen an den Meistbegünstigungszollsätzen.
Die für den Zeitraum bis 2006 angenommene, aktualisierte
Verwaltungsstrategie hat vier Schlüsselziele:
1.)
Anpassung der Zollverwaltung an die EG-Anforderungen
- Stärkung der Zusammenarbeit
zwischen der Zollverwaltung und den Wirtschaftsbeteiligten,
dem Handel und der Öffentlichkeit, Verbesserungen
bei der Erhebung der Zölle, Umsetzung der staatlichen
Zollpolitik zur Bekämpfung von Zoll und Währungsvergehen
und -kriminalität.
2.)
Sicherheitspolitik - Bulgarien hat weiterhin die von den UN und der EU verhängten
internationalen Sanktionen und restriktiven Maßnahmen
eingehalten. Das Gesetz zur Änderung und Ergänzung
des Gesetzes über den Außenhandel mit Waffen
sowie Waren und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck
wurde im Juli 2002 verabschiedet. Darin wurde eine Liste
der Waren mit doppeltem Verwendungszweck aufgestellt,
die der im Jahre 2001 verabschiedeten EU-Liste entspricht.
3.)
Finanzkontrolle - Anfang 2001 trat das neue Gesetz über die interne Kontrolle
der öffentlichen Finanzen in Kraft. Im Juli 2002
richteten die bulgarischen Behörden im Ministerrat
ein eigenes Gremium (Agentur für die interne Kontrolle
der öffentlichen Finanzen) ein. Das Nationale Rechnungsprüfungsgesetz
trat im Dezember 2001 in Kraft.
4.)
Finanz- und Haushaltsbestimmungen - Es wurde eine Reihe relevanter Legislativmaßnahmen eingeführt,
die den nationalen Haushalt betreffen. Zu den wichtigsten
Maßnahmen gehören ein jährliches Haushaltsgesetz,
ein Gesetz über den Haushalt des Krankenversicherungsfonds,
ein Gesetz über den Haushalt des Nationalen Instituts
für soziale Sicherheit und ein Dekret des Ministerrates
zur Ausführung des Haushaltsplans. Die staatlichen
Systeme für Budgetplanung und -prognosen wurden
reformiert und auf eine maßnahmen- und ergebnisorientierte
Budgetierung ausgerichtet, um eine effiziente Zuwendung
der Mittel und Leistung zu erreichen. Die Steuertransparenz
wurde durch die Straffung der Finanzstrukturen und die
Verringerung der Anzahl der extrabudgetären Konten
verbessert. Anfang 2002 wurde ein verbessertes Verfahren
für die Aufstellung des Haushaltsplans 2003 eingeführt.
Die Entwicklung eines einheitlichen Rechnungsführungssystems,
einschließlich der Anpassung der Rechnungslegungsverfahren
an EG-Standards, wurde weiter vorangetrieben.
*
* * * *
III.
Fazit
Es
ist festzustellen, daß Bulgarien die politischen
Kriterien von Kopenhagen erfüllt. Es sind aber weitere
Anstrengungen um die Korruptionsbekämpfung einzuleiten,
um mehrere Erfolge zu verzeichnen. Diese Anstrengungen
sind von der bulgarischen aber auch von der EU Seite nötig.
Man schätzt, daß die Menschenrechte und Grundfreiheiten
in Bulgarien gewahrt sind. Heute hat die Republik die
Rechtsgrundlagen für die Bekämpfung des illegalen
Handels, der Korruption, sowie des organisierten Verbrechens.
Die Lage hat sich erheblich verbessert vom Asylrecht.
Die jüngsten Änderungen des Strafgesetzbuchs
sind ein wichtiger Schritt zur Beseitigung der Diskriminierung
auch aus Gründen der sexuellen Orientierung. Das
Land dürfte in der Lage sein, nach der nächsten
4 Jahren, dem Wettbewerbsdruck und den Marktkräften
in der Europäischen Union standzuhalten. Voraussetzung
ist aber Fortführung und Durchführung des Reformprogramms
der jetzigen Regierung, um die noch bestehende und entstehende
Schwierigkeiten zu beseitigen. Bulgarien hat einen hohen
Grad gesamtwirtschaftlicher Stabilität erreicht,
und die Marktmechanismen im Lande funktionieren gut. Vor
allem die Effizienz des Verwaltungssystems soll gesteigert
und gesichert werden, damit die Wirtschaftsbeteiligten
in einem Klima von Stabilität und Berechenbarkeit
ihre Entscheidungen treffen können. Spezifische Schwächen
und Besonderheiten des Grundstücksmarkts sollen überbrückt
werden. Eine weitere Durchführung von Reformen dürfte
zu einer verstärkten privaten und öffentlichen
Investitionstätigkeit beitragen, die eine wichtige
Voraussetzung für dauerhaftes Wachstum und ausreichende
Wettbewerbsfähigkeit ist.